Ein Brief ist die Vorlage des Geheimnisses. Aufgenommen und danach zerlegt, von der Atmung und dem Schweigen der Rede getrennt, ist er schallende Materie von fast allen Stücken der Ausstellung, die Pedro Tudela in der Galerie Graça Brandão in Lissabon bis den 16. Februar 2008 zeigt. Der Künstler ist auch daran interessiert die verschiedenen Mittel zu bearbeiten und das Potenzial der Materialien zu erproben, von den Klängen zu den Farben, von dem Papier zu dem goldenen Faden, vom dem Haar zu der Baumwolle mit der er die Zeichnung maschinell genäht hat und deren Abwesenheit er in der Serie von „assemblages“, die er auch in dieser Ausstellung zeigt, eingearbeitet hat. Oder das simple Geräusch kochenden Wasser.

Tudela nutzt übrigens die „Vielfältigkeit der Angebote“ seiner Umgebung. Lange Zeit war seine Arbeit an den Körper gefesselt - bis zu seinen Grenzen, von der Krankheit bis zu dem Tod -, aber er ist nicht „Geisel“ dieser wesentlichen Thematik geblieben, auch wenn die Materie im Zentrum seines Interesses weiter besteht.

Geboren 1962 in Viseu, Portugal, studierte Pedro Tudela an der Kunsthochschule in Porto wo er heute Dozent ist. Anfang der achtziger Jahre fing er an auszustellen und noch als Student gründet er die Grupo missionário, welche verschiedene Malerei- und Performencevorführungen organisiert hat. Es war die Malerei die ihn am Anfang seiner Laufbahn antrieb. Aber bald wich er zu anderen Ausdrucksweisen/Sprachen ab. 1992, als Anschluss an seine Ausstellung Mute...life, gründet er eine multimediale Gruppe mit gleichem Namen. Es blieb nicht seine einzige Vereinigung. Ton und Musik wurden inzwischen wichtiger. Es kam die Zeit der Komposition, der modellierten Klänge, der Toninstallationen, sowie der Forschung: Er wird bald seine Promotion ausgerechnet über die Plastizität /Bildhaftigkeit des Tones/des Klanges anfangen. Er gründet @c, eine Gruppe die sich der elektronischen Musik widmet, welche eine beachtliche Konzertagenda aufweist. Aber er ist auch Mitglied des Trios Beat Map, des Media Label Crónica und der Associação Cultural e Recreativa Virose, die sich mit der Cyberkunst beschäftigt. Pedro Tudelas Kunst, die analoge sowie die digitale, ist zum sehen, zum hören und danach kann man das Geheimnis bewahren.

Jornal de Letras: Zeigt sich das Geheimnis sowohl in der Gesangssprache der rauschenden und unverständlichen Stimmen Ihrer Tonskulpturen als auch in den Fotos, deren Zentrum vom Papier verdeckt sind? Welches ist das Geheimnis dieser Ausstellung?

Pedro Tudela: Die Geheimnisse verheimlichen vielfache Haltungen. Eine davon ist der Ursprung dieser Ausstellung. Das Schweigen kann scheinbar eine Folge der geheimnisvollen Haltung sein. Es kann das Verborgene, den Vorbehalt oder die Zuflucht ausdrücken. Es ist sowohl innig als auch populär. Es gehört ausschließlich weder Nichts noch Niemand. In dieser Ausstellung, habe ich Daten verhüllt und dabei andere gezeigt, die voraussetzbar sein könnten. Ich habe Informationen überladen und dabei das wahre Argument frei gelegt, ich habe Anzeichen dafür sowohl durch Exzess als auch durch Unterlassung entfernt. So ist das Geheimnis, voll mit allem was man vervielfältigt, was genau ist, was man schützt und in unterschiedlichen Paradigmen einfriert.

JL: Was vereinigt die verschiedenen Teile - Fotos, Zeichnungen, „Assemblages“, Tonskulpturen - die Sie ausstellen?

PT: Spontan die verschiedenen Geheimnisse bzw. das Geheimnis. Man kann sagen, dass alle Teile der Ausstellung sich anstecken und sich quetschen, als ob sie dieselbe Absicht hätten. Sie sind durch verschiedenen Terminologien und Materien gestaltet, so dass Kohärenz und Gleichheit der ersten Identität und des gestalteten Objekts nicht verloren gehen.

JL: Wie planen Sie eine Ausstellung? Gibt es eine Hauptidee, die, die erschaffenen Stücke bestimmen, oder, im Gegenteil, ist es die Idee der schon erschaffenen Stücke, die das Thema bestimmt?

PT: Normaleweise, fange ich mit einer oder mehreren Ideen an, die zu Abschnitten werden und sich dann zu der Vorstellung bündeln. Es ist schon passiert, dass ich aus einem Stück eine Serie von Arbeiten als eine Art konzeptionelle Interferenz erschaffen habe, die aber zu keiner Ausstellung wurden. Die Ausstellungen sind für mich das Instrument das die plastische Aussage enthält.

JL: Das „Geheimnis“, das wir aus Ihrer Ausstellung mitnehmen, scheint hauptsächlich durch das Gehör bewahrt zu sein. Was interessiert Sie speziell an der Arbeit mit dem Ton?

PT: Die Materie und die Tonmodulation zusammen mit dem Modellieren und dem Platz, den die musikalische Aussage im dem Objekt und dem Raum hat. Aber auch die Relation, die ab und zu der zweckmäßigen Ton, erfunden oder manipuliert, mit den entworfen Objekte hat. Mit der Arbeit des Tons, erneuerte sich mein Wissen über den Raum und des Zeitraumes, was sich sehr markant in meinem plastischen Entwurf zeigt.

JL: Wie erfinden Sie eine Tonskulptur? Was bestimmt die Auswahl der Töne Ihrer Kompositionen?

PT Tudela: In meiner Arbeit, können die Töne ausgewählt, gestaltet oder produziert sein. Für dieses Geheimnis habe ich eine Vorlage benutzt, die aus einem Brief entnommen wurde und verschiedene Arbeitsabschnitte durchlaufen hat. Ich nahm eine Stimme auf, die einen Text sprach und ich entfernte alles, was Zögerung/Suspension, Atmung, Zwischenzeit und Pause war, um einen Rhythmus und eine Kadenz zu bekommen, die das natürliche Verständnis der Erzählung löschen könnte. Beide Ergebnisse (die laufende Stimme auf der einen Seite, und die Stimme der Pausen, der Atmung, der Zwischenzeiten und der Zögerung, auf der anderen) bekamen noch Interferenzen (digitalen Summen und Subtraktionen), damit das Original sich dem gestalteten Objekt annährte. In einem Stück nutze ich den gesprochenen Text, welcher komprimiert, zerstört und geflüstert wurde. In einem anderen nutze ich was ich entfernte und ich fügte den röhrenförmigen Effekt hinzu. Für einen anderen „erzwang“ ich den Toninhalt. Andere Stücke sind mit der geradlinigen Aufnahme des Tones produziert. Zum Beispiel, das kochende Wasser. Wichtig ist auch der generierte Ton, selten erlaubt er, uns ein spezifisches Bild vorzustellen.

JL: Sie fingen mit der Malerei an, aber in den letzen Jahren haben Sie den Anteil des Tones in Ihrer Arbeit vergrößert. Gab es einen entscheidenden Moment für diese Veränderung?

PT: Es war in dem Moment wo ich fühlte, dass die Tonmaterie lauter wurde, derart, dass sie zu Gehör gebracht wurde und mitreden konnte, gemäß der anderen Techniken und Technologien, die ich in meinen Werken benutze.

JL: Was interessiert Sie in der Malerei? In den ersten Ausstellungen haben Sie hauptsächlich Malerei gezeigt, die sich an dem Mainstream der 80er Jahre orientiert?

PT: Die Plastizität oder die Möglichkeit die Geste mit der Farbe und Dichte zu verbinden. Im Moment, liegt das Interesse in der technologischen Sprache, die besser zu der Idee und dem zu gestaltenden Objekt passt. Mein Bildungsweg hat sich so entwickelt, dass ich die verschiedenen Materialien erproben und verstehen konnte, um sie dann passend auswählen zu können.

JL: Und die Musik? Welche Bedeutung hatte sie in Ihrer Kunstentwicklung?

PT: Die Musik und der Ton hatten verschiedene Stellenwerten in meiner Kunstentwicklung. Es war instinktive Verbindung und Inspiration. Aber auch Begeisterung und Adoption, Verständnis und Aneignung, Anpassung und Komposition. Meine musikalische Bildung ist nicht akademisch, sie ist aus diesen ganzen Phasen entstanden. Aber meine Annäherungen an die Kunst und meine Entwicklung sind so plastisch wie diejenige eines plastischen Künstlers, gebildeten Malers.

JL: Wie komponieren Sie? Treffen Sie in diesem Prozess auch die zeichnende und malende Hand? Ist Ihr Atelier auch ein Tonstudio?

PT: Ich habe zwei Arbeitsräume, ein Atelier/Werksatt und einen anderen, der mehr als ein Atelier/Studio oder Tonlabor wirkt. Obwohl ich field recordings und verschiedene akustische Instrumente benutze und mit verschiedenen Musiker zusammenarbeite, die musikalische Kompositionen erfolgen hauptsächlich durch digitale Prozesse. Sowohl für die Stücke (Tonskulpturen), Ausstellungen, Installationen, als auch für die musikalischen Stücke, das Visuelle und die Plastizität des Tones sind sehr wichtige Teile der Art und Weise wie die Komposition gezeichnet, erstellt oder gemalt werden. Ich komponiere seit lange mit Miguel Carvalhais in dem Projekt @c (www.at-c.org). Unsere Zusammenarbeit beruht auf einem offnen Dialog und einer konstanten Debate.

JL: Was für Musik hören Sie?

PT: Ich höre tendenziell moderne experimentelle elektronische Musik, da ich Mitglied von Crónica Electrónica (www.cronicaelectronica.org) bin. Außerdem, und ohne oberflächlich klingen zu wollen, höre ich alle Musikarten.

JL: Die Performance zeichnet auch von Anfang an Ihre Kunstentwiclkung. Was interessiert Sie daran?

PT: Die konzeptionelle Inszenierungen gaben, mit der Zeit, ihrem Platz dem strukturierten Zeitraum mit einem Anteil an geordneter Improvisation.

JL: In dem „ Geheimnis“, zeigen Sie eine Serie von Zeichnungen deren Strich mit der Nähmaschine genähte würden. Was wollten Sie mit diesem Prozess? Deutet das gestopfte Zeichnen die Linie die nicht da ist an?

PT: Es ist eine Mechanik die nur die periphere Intervention erlaubt und die, die Umwandlung der Linie-Objekt in Linie-Form, des Volumen in Zeichnung, oder der Kontrolle in Ereignis nutzt. Der unbesetzte Raum ist durch das Geheimnis des Fehlens, die Last der Leere, geleitet. Substanzen wie die menschlichen Haare, Baumwollefäden, oder die Fäden auf dem Goldenblatt senden ein Resultat und dieses verbreitet das System.

JL: Ihre Arbeit hat schon wiederkehrende Themen wie den Tot, die Krankheit oder die Krankenhausumgebungen gekreuzt. Warum?

PT: Die Geheimnisse werden ab und zu aufgedeckt. Die Kenntnis wird durch das Wissen und das Experimentieren erlangt.

Translation: Marisa Ferreira Hoberg